Es ist sehr wichtig, in Bewegung zu sein, ein Ziel zu haben, das zu tun, was wirklich von Bedeutung ist. Wenn du das Gefühl hast, dass etwas getan werden muss, dann musst du es tun.
— Marija Gimbutas
Seit Tagen schwirrt mir das Thema "Frau sein" im Kopf rum. Oder genauer gesagt die unterschiedliche Lebensweise von Frauen und Männern. John Gray hat es in seinem Bestseller auf den Punkt gebracht "Männer sind vom Mars, Frauen von der Venus". Und ich finde das grundsätzlich auch völlig okay. Wenn ich in mein privates Umfeld schaue, dann kann ich von meinem Partner unglaublich viel lernen. Ich schätze an ihm alles, was er ist und ich nicht bin und freue mich immer wieder von ihm zu lernen. Denn oft geht er Dinge einfacher und rationaler an als mein emotionales Selbst. Mir geht es auch heute gar nicht um die Tiefe der Unterschiede zwischen Männer und Frauen, sondern übers Oberflächliche.

Ihr kennt das sicher auch: Männer räumen Spülmaschinen anders ein als wir Frauen. Zumindest meiner. Alles andere als platzeffizient. Jetzt könnte ich mich einfach zurücklehnen und froh sein, dass er überhaupt die Spülmaschine einräumt und die Teller sich nicht auf der Arbeitsfläche stapeln (wenn es so wäre, dann hätten wir auch ein ernsthaftes Problem). Und ja, ich bin froh darüber! Machen wir es aber mal etwas plastischer.
In den letzten Tagen ist mir aufgefallen, wie viel an Mehr ich auf meiner privaten ToDo Liste stehen habe. Und woran liegt das? Vieles liegt mit Sicherheit an der Natur des Frauseins. Bestes Beispiel: Mein Nagellack ist übers Wochenende an den Fingernägeln abgebröckelt (auch kein Wunder bei den Haushaltsarbeiten, die ich verrichtet habe). Heißt: Ran an den Nagellackentferner, mit der Feile wieder in Form bringen, Unterlack, Nagellack, Überlack. Und da ich am kommenden Wochenende auf einer Hochzeit bin und man ggf. zu später Stunde auch mal ohne Schuhe die Tanzfläche betritt, müssen die Füße auch ran. So, zeigt mir mal bitte einer einen Mann, der auf ner Hochzeit barfuß tanzt? [Gibt's bestimmt, aber ich habe noch nie einen gesehen]. Sind also zwei ToDos, die ich habe, ER aber nicht. ....und wenn ich natürlich schon dabei bin, stelle ich fest, dass meine Nagellacke mal wieder sortiert werden müssten, bzw. Fehlkäufe entsorgt werden sollten, etc. Kennt ihr das? Und schon wird die ToDo Liste länger.
Ähnlich läuft es auch mit den Geschenken, im aktuellen Fall dem Hochzeitsgeschenk fürs Brautpaar: wir haben besprochen was wir schenken und in welchem Wert. Besorgen, Verpacken und Karte schreiben, bleibt aber an mir hängen (weil ich doch angeblich die schönere Schrift habe, und immer die hübscheren Worte, etc.). Der Grund warum ich die schöneren Worte habe ist, dass ich mir Gedanken mache, für das Paar ein passendes Zitat auswähle, etc. Aber das sind auch schon gleich wieder ein paar ToDos mehr auf meiner Seite. Ich mache das auch gerne, weil es mir Freude macht und ich dem Paar ebenfalls eine Freude machen möchte. Ich stecke hier immer sehr gerne mein Herz rein. Aber es ist ein Zeitaufwand, den SIE hat, ER aber nicht.
Und mit dem Outfit ist es doch bei FRAU auch viel umfangreicher: zum schönen Kleid benötigen wir ggf. noch die passenden Unterwäsche (je nach Schnitt des Oberteils, der Träger oder ähnlichem), etwas für "drüber" für die Kirche oder Stehempfang im Freien (es könnte ja frisch sein), den passenden Schmuck, ggf. eine Strumpfhose, Schuhe, Ersatzschuhe, Blasenpflaster, Einlegesohlen, Handtasche und je nach Kleidfarbe möglicherweise auch noch einen neuen passenden Nagellack und/oder Lippenstift. Und MANN? Zieht nen bestehenden Anzug aus dem Schrank, kauft im besten Fall noch ein neues Hemd oder Krawatte farblich passend zum Outfit von IHR und schon ist er fertig.
Grundsätzlich hängt doch einfach mehr an uns Frauen. Wir kümmern uns mehr um unser Aussehen, nicht weil es den Männern egal wäre, sondern weil sie einfach nicht so viel zur Auswahl haben. Nach dem Duschen wird sich rasiert, eingecremt, die Haare gemacht und fertig. Und wir Frauen? Wir hätten da erstmal das Ganzkörperpeeling unter der Dusche (natürlich nicht täglich, aber schon regelmäßig), dann müssen wir zwar nicht das Gesicht rasieren, aber es gibt für uns zahlreiche andere Stellen und davon auch mehrere und im Nachgang immer schön eincremen. Ganzkörper versteht sich. Und jetzt geht's eigentlich erst los. Das war ja mehr oder weniger erst das Vorspiel. Alle zwanzig Nägel wollen gepflegt sein. Und dann geht's ja erstmal los mit den Haaren. Wer nicht gerade einen flotten Kurzhaarschnitt hat, nennt vermutlich Haarfön, Glätteisen und eine Armee an Lockenstäben sein eigen (ich zumindest). Das heißt die Haare wollen erstmal gelockt, geglättet, geflochten, geknotet oder sonst irgendwas werden. Und dann: ran an Pinsel und Farbtöpfe (überspitzt gesagt...versteht frau sicher...Mann denkt vermutlich die multitaskingfähige Frau schiebt noch schnell ne Kunststunde ein). Mit ein wenig Glanz & Gloria sehen wir gleich frischer und vor allem begehrenswerter aus (zuerst für uns selbst und dann für andere). Wer mit Make-up Pinseln arbeitet, hat dann gleich ein weiteres ToDo auf der Liste: Pinselreinigung. Auch das stand am Wochenende auf meiner Liste (täglich die Reinigung mit einem Pinselreiniger und mind. 1x pro Monat mit Pinselshampoo). Klar, jetzt weiß ich, dass da nicht jede Frau macht. Meine beste Freundin zum Beispiel auch nicht. Man könnte sich also dieses ToDo einsparen, je nach Geschmack. Mir macht es aber Freude und so gehört es zu meinen Routine-ToDos. Kostet aber halt trotzdem Zeit. Spaß hin oder her.
Vom Friseurbesuch brauche ich erst gar nicht zu sprechen, oder? Männer sind in max. 20 Minuten 20 Euro leichter und wir Damen....oh je....da kann wohl jede ein Liedchen von singen. Zudem benötigen wir Shampoo UND Conditioner und noch das ein oder andere Hitzespray, Schaumfestiger, Ansatzspray, Haarspray, etc. Sofern gepflegtes, gesundes und glänzendes Haar auf der Prioritätenliste steht (alle, die das auch mit Discounterprodukten schaffe, gratuliere ich hiermit ganz herzlich...ich gehöre nicht dazu...mein Haar ist zwar schön, glänzend und gesund aber nur weil ich es pflege).
Ich möchte jetzt gar nicht auf das Klischee der Frau raus...so von wegen schönes Heim & Garten. Aber klar, wenn ich optisch frischen Wind in der Wohnung haben möchte, dann bin ich diejenige, die neue Kissenbezüge kauft. Die meisten Männer fühlen sich einfach nur darin wohl. Sie freuen sich zwar, wenn es mal was Neues gibt, aber sie ziehen selten los und machen das Heim "weihnachtsgemütlich" oder "frühlingsfrisch".
Doch wo kommt das denn her? Wurde uns dieser "Wunsch nach Schönem" (ob an uns selbst oder in unserer Umgebung) wirklich in die Wiege gelegt? Oder ist es dieses letzte Strichen vom zweiten Chromosom {XX}, das wir mehr haben als die Männer? Oder ist das einfach nur von Generation zu Generation vorgelebt und damit weitergegeben worden? So manchmal frage ich mich das schon. Während meine ToDo Liste fast zum Überquillen droht, kann sich MANN gemütlich auf dem Sofa räkeln (könnte ich natürlich auch...ohne Frage....aber die ToDos sind ja dann morgen immer noch da). Ich habe auch das Gefühl, dass FRAUsein grundsätzlich mehr kostet. Denn wir sind so ausgelegt, dass wir mehr benötigen. Nämlich nicht nur das Unterhöschen wie der Mann, sondern eben auch den BH. Und nicht nur die schwarzen Anzugssocken und weiße Tennissocken, sondern auch noch Strumpfhosen in mind. natur und schwarz und Feinstrümpfe. Und natürlich gestrickte Socken für die kalten Füße. Wo MANN nur Hose oder Shorts trägt, haben wir die Wahl zwischen Hose, 3/4 Hose, 7/8 Hose, Shorts, kurzen Shorts, kurzem Rock, langem Rock, kurzem Kleid, langem Kleid und so weiter (Mädels, guckt in Euren Kleiderschrank, dann wisst ihr was Sache ist). Wieso ist das eigentlich so? Mir ist schon klar, dass mir darauf keiner eine Antwort geben kann, aber ich finde es einfach faszinierend. FRAUsein ist schon an sich ein Vollzeitjob. Von Karriere oder Muttersein fange ich erst gar nicht an (da kann ich auch nur bei einem von beidem mitreden).
Aber kommt es Euch manchmal nicht auch so vor, dass FRAUsein zeitlich intensiver ist? Habt ihr Euch darüber auch schon Gedanken gemacht?
P.S.: Bevor das falsch verstanden wird, ich bin sehr gerne eine Frau. Und auch gerne mit allen Facetten.
P.P.S.: Wer jetzt denkt ich bin eine kleine Beautyqueen, die immer top gestylt durch die Gegend rennt, täuscht sich. Dieser Blogpost wurde im Schlafanzug geschrieben (und zwar in der zweiten Tageshälfte).
P.P.P.S.: Ich habe bewusst einige Dinge überspitzt formuliert!