Freitag, 4. Juli 2014

Diagnose Burnout

In der tiefsten Dunkelheit leuchtet irgendwo ein helles Licht.


– HappyIch



Diagnose Burnout. Da war genau heute vor 3 Jahren. Damals saß ich vormittags bei meinem Hausarzt. Weil ich seit Wochen Herzrasen hatte. Weil ich seit Wochen das Gefühl hatte, dass mein Schlaf nicht mehr erholsam war, egal wie viele Stunden ich auch schlief. Weil ich ständig Herzrasen hatte. Weil mein Brustkorb sich immer weiter zuschnürte und ich keine Luft mehr bekam. Weil mir der Leistungsdruck im Nacken saß. Und weil ich ganz offensichtlich einen Vitamin- oder Mineralstoffmangel hatte. Genau DAS war MEINE Diagnose. Und der Grund warum ich mir beim Arzt einen Termin für ein großes Blutbild habe geben lassen. So ging ich damals – an einem Montag – ganz unbedarft zum Arzt. Einem Montag in einer Woche, in der ich mir spontan Urlaub genommen hatte. Urlaub von meinem Job um endlich zu Hause wieder den Haushalt zu machen. Wäsche zu waschen, zu bügeln und zusammenzulegen. Die Osterdeko dann endlich im Juli wegzuräumen. Einzukaufen und mal wieder selbst zu kochen. Post zu bearbeiten, die seit Wochen ungeöffnet auf dem Esszimmertisch lag und mir ein schlechtes Gewissen bereitete wenn ich sie sah. Urlaub, weil ich endlich zu Hause wieder all die Baustellen weg haben wollte, die mir zusätzlich schwer auf den Schultern lagen. Denn zu dem Zeitpunkt war ich bereits dabei allem hinterherzurennen. Dem Job und dem Privatleben. Meine 24 Stunden im Tag waren so unglaublich kurz und die Aufgaben stapelten sich in beiden Lebensbereichen bis zur Decke. Ich kam einfach nicht mehr hinterher. Ich sah das Licht am Ende des Tunnels nicht mehr. Ich hatte das Gefühl mein Leben ist ein ICE und ich versuche neben den Gleisen mitzusprinten um den Anschluss nicht zu verlieren. Aber ich war schon lange kein mitfahrender Passagier mehr.


Zitat Licht


Und so fand ich mich auf einmal auf dem Stuhl auf der anderen Seite des Schreibtisches meines Hausarztes. Völlig gefasst schilderte ich ihm meine Eigendiagnose, dass ich einen Mangel habe und der nun via Blut untersucht werden müsse, damit ich wieder fit werden kann und mich nicht mehr andauernd so schlapp und müde fühle. Ganz einfühlsam wurde mit mir umgegangen, mir das Blut im Nebenraum abgenommen bevor ich wieder vor meinem Hausarzt saß. Was dann geschah, weiß ich nur noch in Gedankenfetzen. Ganz laut schallte durch meine Ohren “Diagnose Burnout”. Ich spürte wie mein Gesicht nass wurde. Wie mein Brustkorb vibrierte. Ich sah mich um. Dieses Wimmern kam von mir. Völlig aufgelöst und tränenüberströmt war es ich, die da vor dem Arzt saß. Es war kein Film, kein Buch, niemand anderes neben mir sondern die brutale Realität. Ich war es. Ich war es, die da die Fassung verlor. Ich fühlte mich als ob mir jemand den Stecker gezogen hatte. Weg vom Stromnetz. Weg vom Funktionieren. Meine Maske fiel und wie ich wahr nahm war es eine schwere, die ich da seit Wochen und Monaten – vielleicht sogar schon seit Jahren mit mir herumtrug.

Heute vor drei Jahren wurde sie mir genannt, die Diagnose Burnout. Damals hörte sich mein Leben auf zu drehen. Auf einen Schlag. Von jetzt auf gleich. Mit diesen zwei Worten, änderte sich mein komplettes bisheriges Leben. Meine Gefühlswelt sollte in den nächsten neun Monaten eine andere sein. Die Beziehung zu vielen Menschen in meinem Leben sollte sich ändern. In all dem Schmerz, der Verständnislosigkeit und der Angst darüber nicht zu wissen ob es je wieder anders werden könnte, gab es zwei Personen, die mir immer das Gefühl gaben, dass ich das schaffen kann. Ich war keine davon. Und heute, drei Jahre später weiß ich, dass diese zwei Personen die ganze Zeit an mich geglaubt haben. An meinen Kämpfergeist und an den Willen, der tief in mir vergraben war wieder richtig glücklich werden zu können. Und heute kann ich sagen: ich habe es alles geschafft. Ich habe verstanden, dass dieses Schicksal für mich die Chance war, mein Leben mit Anfang 30 komplett neu zu verstehen. Ich habe gelernt, dass Gedankenmuster, die mich über Jahrzehnte begleitet haben nicht automatisch richtig sind nur weil sie mich schon lange in mir waren. Man hat jeden Augenblick die Chance sich neu zu entscheiden. Anders zu handeln und sein eigenen Glück in die Hand zu nehmen. Dass dies wahr ist, das weiß ich heute. Und darum mache ich heute – drei Jahre nach der Diagnose genau eins: mich feiern. Mich und all die wunderbaren Menschen, die mir auf meiner Reise zum HappyIch begegnet sind, die mich begleitet haben, die sich mir geöffnet haben und mit denen ich Leid und Freud’ geteilt habe. Und ich stoße heute auf Euch an. Denn ich danke Euch, dass ich meine Erfahrung mit Euch teilen darf. Danke! Danke, dass ihr da seid! Danke, dass ihr mitlest. Einfach nur danke!


Kommentare:

  1. liebe sue, ich kommentiere ja äußerst ungern, das weißt du ... aber diese leistung , da kann ich nicht anders!!!!!! du kannst so stolz auf dich sein - ich werde heute abend auch in gedanken auf dich anstoßen!!!!
    einen ganz lieben gruß von der insel,
    uta

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    1. Liebe Uta,
      das berührt mich jetzt doch besonders, dass Du genau diesen Post kommentierst wo Du das doch eigentlich nicht magst. Dankeschön! Das bedeutet mir sehr viel.

      Alles Liebe auf die Insel,
      sue

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  2. Liebe Sue, das hast Du so gut gemacht! Jeden Tag immer wieder für Dein Glück kämpfen ist nicht einfach, aber Du schaffst das. Ganz toll!
    LG von Sandra

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  3. Ich freu mich, dass ich in Deinem Leben sein darf. Du bist großartig und mutig.

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  4. Liebe Sue,
    ich weiß nicht, wann ich zuletzt etwas so Berührendes gelesen habe, dass ich mit Gänsehaut hier sitze. Wie Du Dich damals gefühlt hast, wirst Du nie vergessen und es wird immer ein Teil von Dir bleiben. Du hast es angenommen, verstanden und therapiert - Du hast es geschafft!! Ich drücke Dich ganz fest und gratuliere Dir zu so viel Mut und Willenskraft. Du bist ein wundervoller Mensch!
    Alles Liebe, Deine Stephie

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    1. Liebe Stephie,

      danke für Deine lieben Worte. Und ja, das wird immer ein Teil meines Lebens bleiben und daher gehe ich auch offensiv damit um. Weil es ein Teil von mir ist. Danke, dass Du da bist!

      Alles Liebe
      sue

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  5. ...immer wieder gerne, mein Dank an Dich, dass Du so offen schreibst.....
    Herzliche Grüße♥

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    1. Danke für Deine Rückenstärkung! Schön, dass Du da bist und immer wieder mitliest!

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  6. Und wie genau kamst du zum happyich???? Ich schaffe es nämlich nicht ��

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    1. Liebe Kattrienchen,

      wie ich zum HappyIch kam? Indem ich angefangen habe daran zu glauben. Indem ich mir professionelle Hilfe gesucht habe, indem ich der Hilfe vertraut habe und mich darauf eingelassen habe. Aber weißt Du was? Deine Frage nehme ich gerne zum Anlass für einen weiteren Blogpost. Ich glaube es gibt nicht für alle EIN Rezept, aber was auf jeden Fall hilft ist die verbliebene Stärke in einem zu sammeln und sich um Hilfe zu kümmern.

      Ich wünsche Dir alles, alles Gute und weiß, dass Du das genauso schaffen kannst! Und das wirst Du auch. Ich glaube an Dich!

      Alles Liebe
      sue

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  7. So schön geschrieben. Herzlichen Glückwunsch zu dem Erfolg und der Sichtweise.
    Deswegen fahre ich dieses Jahr in Kur - als Prävention, weil ich sonst wahrscheinlich auch nicht mehr lange brauche, um diese Diagnose zu bekommen. Ich hoffe auf Tipps, um aus meinem Rad auszubrechen und aufzuhören, es jedem Recht machen zu wollen, sondern nur auf mich und mein Kind zu gucken, was uns gut tut. Jeden Tag und jeden Moment auf´s Neue. Respekt, dass Du dies geschafft hast.

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    1. Ich danke Dir. Und ich finde das sehr stark, dass Du Dich um die Kur bemüht hast und dies noch dieses Jahr machen wirst. Ich kann Dir den folgenden Tipp geben "Du bist für DICH dort. Fordere ein was Du brauchst"! Mache DICH zum Thema bei den Therapeuten! Und ich kann Dir versichern, wenn Du mitarbeitest (was Du machen wirst so wie ich Deine Worte lese) dann wirst Du ganz viele Tipps bekommen. Lass Dich darauf ein, öffne Dich und sei bereit für die Veränderung. Du wirst das schaffen. Ich glaube an Dich!

      Alles Liebe
      sue

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  8. Liebe Sue, ich habe es gerade erst gelesen, und ich bin sowas von berührt: vom Lesen, wie es Dir damals erging (da wurde mein Herz echt schwer), vom Lesen und Wissen, wie es Dir heute geht (da machte mein Herz kleine Sprünge vor Freude!).

    Ich freue mich so unendlich für Dich, dass Dein Weg zum Happy Ich geführt hat. Und dass wir den mit Dir teilen dürfen. So werde ich heute Abend noch nachträglich ein Glas auf Dein weiteres Wohl trinken und mit Dir im Geiste anstoßen, Dich feiern. Meine ganze Hochachtung für Dich!

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    1. Liebe Brigitte,
      danke für Deine lieben, lieben Worte. Ich bin froh, dass Dein Herz im Laufe des Artikels wieder leicht wurde und sogar springen konnte. So soll es sein.
      In diesem Sinne, sage ich "Prost" und bin im Geiste mit meinem Gläschen auch heute bei Dir!

      Alles Liebe
      sue

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  9. Liebe Sue!

    Du kannst verdammt stolz auf dich sein! Es ist so bewegend von deiner Geschichte zu lesen. Deine Worte berühren einfach meine Seele! Danke, dass du das mit uns teilst!

    Alles, alles Liebe für dich
    Kristin

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    1. Meine liebe Kristin,

      danke für Deine Worte. Das bedeutet mir sehr viel. Freue mich immer über jeden Kommentar von Dir!

      Alles Liebe
      sue

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