Mittwoch, 13. März 2013

Miesepetrige Tage ade!


Don't give yesterdays worries an invitation to tomorrow!

– Kandee Johnson

 
Es macht mich fertig. Falsch. Es machte mich fertig. Letzte Woche gab’s noch herrlichen Sonnenschein und Temperaturen im zweistelligen Plusbereich, ich bin das erste Mal ohne Jacke aus dem Haus und habe mich von der Sonne erwärmen lassen. Der Frühling war greifbar nah. War. Anscheinend gibt es auch weiter oben Rangeleien und Frau Holle hat sich ganz anscheinend mit Fräulein Sonne einen kleinen Machtkampf geleistet. Man könnte sagen, dass Fräulein Sonne wohl eine kleine Strategin ist und genau wusste, dass sie noch mehr als genug Zeit hat ihr Sonnenzepter zu schwingen und überließ damit der weißen Dame den Sieg. Und Frau Holle wäre nicht Frau Holle, wenn sie sich nicht noch einmal richtig verausgaben würde und zeigen würde, was in ihr steckt. Und so malte sie den Himmel noch einmal in den Farben grau-weiß-blau-beige und schenkt uns so viele Schneeflocken wie sie nur kann. Was sie nicht ahnen konnte ist, dass wir Menschenkinder gerade wenig begeistert sind und ihr nicht die Hochachtung geben, die sie eigentlich verdient hätte. Das Wetter noch einmal so kräftig zu drehen ist sicher nicht ohne.

Und so hat es auch mich erwischt. Mein komplettes Sein hat sich der Malgemeinschaft angeschlossen und mich innerlich in trübes Grau getaucht. Auf fröhlich bunte Tage folgten dunkle gepaart mit Trübsal. Ich konnte es erst gar nicht greifen. Da war einfach nur das Ich, das sich der Trauer näher fühlte als der Freude. Doch warum? Dem Wetter habe ich es gar nicht zugeordnet. Kränkelnd fühlte ich mich auch nicht. Aber ich hatte keine Freude an der Musik, an der Arbeit oder an den mich umgebenden Menschen. Ich wollte mich eigentlich nur in mein Schneckenhaus zurückziehen und die Tür mehrmals und fest verschließen. Es fiel mir schwer zu lächeln und ich spürte wie ich im Büro eine Maske überstülpte: die nette, freundliche, lächelnde Maske. Aber ich war innerlich ganz still. Wie so ein vereister Bergsee inmitten eines blätterlosen, stillen Waldes. Ich habe wenig geredet, keine Scherze gemacht und in mich gekehrt. Und dennoch fühlte ich mich von mir selbst weit entfernt. Kurz und knapp: Winterdepression. Und das obwohl es mir doch am Samstag noch so toll ging! Und doch waren Montag & Dienstag ganz mies. Und ich konnte mir selbst nicht helfen. Keine Gegenmaßnahme hat mich angesprochen. Ich habe mich zum Sport machen gequält und hatte die Hoffnung, dass das die Laune dreht. Aber es hat alles nichts geholfen.

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In meiner kleinen Verzweiflung habe ich das telefonische Gespräch mit meiner Beraterin gesucht, was sich als das einzig richtige erwiesen hatte. In solchen Situationen hilft es ungemein sich den neutralen Rat und die Sichtweise von außen zu holen. Sie riet mir dazu früher nach Hause zu gehen und gut für mich zu sorgen. Ja, all diese Gedanken hatte ich vorher auch schon aber ich hatte keine Lust auf ein Schaumbad oder auf eine entspannte Yogastunde. Dann fragte sie mich nur eins “hättest Du mehr Lust bei dem Mistwetter warm angezogen draußen zu spazieren oder Dich in die warme Badewanne mit viel Schaum zu legen?”. In einer gefühlten Nanosekunde war meine Antwort schon da. Ich wollte raus ins Mistwetter. Wirklich??? Sie sagte mir ich soll genau das machen und mir vorher noch eine einzelne gelbe Rose kaufen. Vielleicht hätte ich ja im Nachgang, schön durchgefroren, Lust doch noch in die Badewanne zu gehen. Denn Wärme ist in solchen trüben Gefühlstagen Geborgenheit für die Seele.

Eine Stunde vor Arbeitsende stieg ich ins Auto, fuhr in die Gärtnerei und kaufte mir eine einzelne weiße Rose (gelbe gab es nicht und orange gefiel mir nicht), holte mir im Supermarkt noch alle Zutaten für einen Grießbrei und fuhr heim. Erst wollte ich einfach nur die Schuhe wechseln und raus, doch dann erinnerte ich mich, dass ich in der Therapie mal gelernt hatte wie gut es tun kann, wenn man sich aus der Arbeitsuniform pellt (auch wenn es bei mir keine Uniform ist) um damit diesen Teil des Tages hinter sich zu lassen und einen neuen Tagesteil zu beginnen. Das erschien mir in diesem Moment schlüssig und ich zog mir schnell eine warme Jogginghose an, Schlabberschirt & Pulli, dicke Winterstiefel und natürlich Schal und Mütze. Und raus. In einem leichten Graupelschauer stapfte ich los. Und ich meine “stapfte”. Ich hatte keine Freude dabei. Ich war draußen. Es war kalt. Es war grau. Es war doof. Und ja, es war keine Menschenseele draußen. Nur ich, zahlreiche Bäume und viel grauer Himmel. Ach so, die schlechte Laune war auch dabei. Sie war wie eine Klette. Sie hing mir auf dem Rücken und klammerte sich an meinem Hals fest. Irgendwann lief sie neben mir. Ich hatte ein bisschen mehr Luft und meine tausend negativen Gedanken wurden weniger. Ich hatte etwas mehr “Luft”. Ich lief und lief. Es war eisig kalt, meine Nase lief. Egal. Weiter. Ich lief und lief. Und auf einmal war die Klette weg. Ich weiß nicht ob ich schneller geworden bin oder ob die Klette einfach zu langsam war. Oder vielleicht war es ihr auch zu kalt. Oder ihr war mein Gemurmel zu blöd. Ohne Witz, ich habe Affirmationen vor mich hingemurmelt. Ich wollte meine Gedanken verleiten auf mich zu hören und nicht andersrum. Das funktioniert die ersten fünf Minuten gleich null, aber dann. Auf einmal geht es. Es fiel mir zwar schwer das alles so hinzunehmen was da aus meinem Mund kam, aber auch das war zweitrangig. Dann war ich wieder vor meiner Haustüre und irgendwo froh in die warme Stube zu kommen. Meine Rose hatte ich vor meinem Spaziergang schon in eine Vase gestellt und da stand sie nun und guckte mich an. Zu dem Zeitpunkt war mir wirklich nach etwas Warmen und ich hatte sogar ein bisschen Lust auf diesen Grießbrei.

Griesbrei hat für mich einen besonderen Stellenwert. Ich glaube jeder von uns hat so ein Gericht aus der Kindheit, das einen hat besser fühlen lassen. Wenn man krank war, wenn man traurig war, wenn einem nichts geschmeckt hat, das war es. Und bei mir war es eben der Grießbrei. Im Idealfall mit Zimt und Zucker. Und zwar viel Zimt. Es tat sogar gut ihn zu kochen und dem Kochprozess zuzugucken. Als er soweit war, setzte ich mich mit meiner Schale frisch gekochtem und duftenden Grießbrei auf die Couch. Vorher noch schnell die Wärmeschuhe in die Mikrowelle, dann die Schuhe anziehen, mit der Kuscheldecke zudecken, Kerzen um mich rum anzünden und die Stehlampe anmachen. Das hilft immer. Ich liebe flackerndes, warmes Licht und am liebsten viel davon! Eingemummelt entschied ich mich für eine alte Liebe: US Serie in Originalton. Auf TNT Serie wurde ich fündig: “Home Improvement” und danach eine Folge “Friends”. Das katapultierte mich in meine eigene Welt. Wärme, Licht, Grießbrei und Amerikafeeling. In diesem Moment merkte ich seit Tagen, dass mein Ich in all seinen Facetten auf meine Mühen angesprungen ist. Der Motor lief wieder. Ganz bewusst schaltete ich den Fernseher nach zwei Folgen ab. Es wurde schon dunkel draußen und ich holte ein Louise L. Hay Buch hervor, klippte mein Leselicht dran und hüllte mich wieder in meine warme Kuscheldecke auf dem Sofa ein. Und wie so oft in ähnlichen Situationen brachte mir dieses Buch all die Worte, die ich in diesem Moment an nötigsten brauchte.

Ich wollte eben nicht wieder vor dem Fernseher einfach “irgendwas” angucken. Nein, ich wollte etwas Bewusstes für mich tun. Und auf einmal kamen mir die Gedanken, was mir an solchen grauen Tagen gut tut. Und mal wieder entstand daraus eine kleine Liste. Eine Liste, die aus der Situation entsprang. Eines der Punkte, die mir in den Kopf kamen war “mich mit Buntem zu umgeben”. Und dieser Gedanke war auch beim heutigen Erwachen noch immer da und das Bedürfnis nach Buntem war stark. So habe ich mich für ein sehr buntes Outfit heute entschieden, das von den frischen Farben gelb und grün geprägt ist.

Und so passt das Eingangszitat, das mir ebenfalls erst heute über den Weg gelaufen zu meinem heutigen Tag! Was auch gestern war (und vorgestern) beeinflusst mich nicht weiter im Heute. Ich sorge für mich, umgebe mich mit Schönem und Buntem und gestalte das Heute!

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Quelle: https://www.facebook.com/positiveoutlooks 












Kommentare:

  1. Oh wie schön, dass Du es geschafft hast, trotz völliger Unlust raus zu gehen. Ich schaffe das meistens nicht, also wenn mir so kalt ist und ich mies drauf bin. Und es ist ja echt toll, was sich dann daran so anschließt und wie achtsam und bewußt Du den Abend im Hier und Jetzt gestaltet hast.
    Lieben Gruß

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    1. Liebe Noomi,

      ganz vielen Dank für Deinen Kommentar. Ganz ehrlich: Unlust wird dem Gefühl gar nicht gerecht, das ich eigentlich hatte. Aber als ich dann draußen war, habe ich einfach gemerkt, dass es mir ein gewisses Maß an Freiheit verschafft so ganz allein durch dieses miese Wetter zu stapfen. Und dann kam auch irgendwann das zufriedene Gefühl, dass mir die Natur einfach unwahrscheinlich gut tut.

      Und wenn ich ehrlich bin weiß ich nicht, ob der Abend ohne diesen Spaziergang den gleichen Verlauf genommen hätte. Ich glaube nicht.

      Auch für Dich alles Liebe
      sue

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