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Freitag, 4. Juli 2014

Diagnose Burnout

In der tiefsten Dunkelheit leuchtet irgendwo ein helles Licht.


– HappyIch



Diagnose Burnout. Da war genau heute vor 3 Jahren. Damals saß ich vormittags bei meinem Hausarzt. Weil ich seit Wochen Herzrasen hatte. Weil ich seit Wochen das Gefühl hatte, dass mein Schlaf nicht mehr erholsam war, egal wie viele Stunden ich auch schlief. Weil ich ständig Herzrasen hatte. Weil mein Brustkorb sich immer weiter zuschnürte und ich keine Luft mehr bekam. Weil mir der Leistungsdruck im Nacken saß. Und weil ich ganz offensichtlich einen Vitamin- oder Mineralstoffmangel hatte. Genau DAS war MEINE Diagnose. Und der Grund warum ich mir beim Arzt einen Termin für ein großes Blutbild habe geben lassen. So ging ich damals – an einem Montag – ganz unbedarft zum Arzt. Einem Montag in einer Woche, in der ich mir spontan Urlaub genommen hatte. Urlaub von meinem Job um endlich zu Hause wieder den Haushalt zu machen. Wäsche zu waschen, zu bügeln und zusammenzulegen. Die Osterdeko dann endlich im Juli wegzuräumen. Einzukaufen und mal wieder selbst zu kochen. Post zu bearbeiten, die seit Wochen ungeöffnet auf dem Esszimmertisch lag und mir ein schlechtes Gewissen bereitete wenn ich sie sah. Urlaub, weil ich endlich zu Hause wieder all die Baustellen weg haben wollte, die mir zusätzlich schwer auf den Schultern lagen. Denn zu dem Zeitpunkt war ich bereits dabei allem hinterherzurennen. Dem Job und dem Privatleben. Meine 24 Stunden im Tag waren so unglaublich kurz und die Aufgaben stapelten sich in beiden Lebensbereichen bis zur Decke. Ich kam einfach nicht mehr hinterher. Ich sah das Licht am Ende des Tunnels nicht mehr. Ich hatte das Gefühl mein Leben ist ein ICE und ich versuche neben den Gleisen mitzusprinten um den Anschluss nicht zu verlieren. Aber ich war schon lange kein mitfahrender Passagier mehr.


Zitat Licht


Und so fand ich mich auf einmal auf dem Stuhl auf der anderen Seite des Schreibtisches meines Hausarztes. Völlig gefasst schilderte ich ihm meine Eigendiagnose, dass ich einen Mangel habe und der nun via Blut untersucht werden müsse, damit ich wieder fit werden kann und mich nicht mehr andauernd so schlapp und müde fühle. Ganz einfühlsam wurde mit mir umgegangen, mir das Blut im Nebenraum abgenommen bevor ich wieder vor meinem Hausarzt saß. Was dann geschah, weiß ich nur noch in Gedankenfetzen. Ganz laut schallte durch meine Ohren “Diagnose Burnout”. Ich spürte wie mein Gesicht nass wurde. Wie mein Brustkorb vibrierte. Ich sah mich um. Dieses Wimmern kam von mir. Völlig aufgelöst und tränenüberströmt war es ich, die da vor dem Arzt saß. Es war kein Film, kein Buch, niemand anderes neben mir sondern die brutale Realität. Ich war es. Ich war es, die da die Fassung verlor. Ich fühlte mich als ob mir jemand den Stecker gezogen hatte. Weg vom Stromnetz. Weg vom Funktionieren. Meine Maske fiel und wie ich wahr nahm war es eine schwere, die ich da seit Wochen und Monaten – vielleicht sogar schon seit Jahren mit mir herumtrug.

Heute vor drei Jahren wurde sie mir genannt, die Diagnose Burnout. Damals hörte sich mein Leben auf zu drehen. Auf einen Schlag. Von jetzt auf gleich. Mit diesen zwei Worten, änderte sich mein komplettes bisheriges Leben. Meine Gefühlswelt sollte in den nächsten neun Monaten eine andere sein. Die Beziehung zu vielen Menschen in meinem Leben sollte sich ändern. In all dem Schmerz, der Verständnislosigkeit und der Angst darüber nicht zu wissen ob es je wieder anders werden könnte, gab es zwei Personen, die mir immer das Gefühl gaben, dass ich das schaffen kann. Ich war keine davon. Und heute, drei Jahre später weiß ich, dass diese zwei Personen die ganze Zeit an mich geglaubt haben. An meinen Kämpfergeist und an den Willen, der tief in mir vergraben war wieder richtig glücklich werden zu können. Und heute kann ich sagen: ich habe es alles geschafft. Ich habe verstanden, dass dieses Schicksal für mich die Chance war, mein Leben mit Anfang 30 komplett neu zu verstehen. Ich habe gelernt, dass Gedankenmuster, die mich über Jahrzehnte begleitet haben nicht automatisch richtig sind nur weil sie mich schon lange in mir waren. Man hat jeden Augenblick die Chance sich neu zu entscheiden. Anders zu handeln und sein eigenen Glück in die Hand zu nehmen. Dass dies wahr ist, das weiß ich heute. Und darum mache ich heute – drei Jahre nach der Diagnose genau eins: mich feiern. Mich und all die wunderbaren Menschen, die mir auf meiner Reise zum HappyIch begegnet sind, die mich begleitet haben, die sich mir geöffnet haben und mit denen ich Leid und Freud’ geteilt habe. Und ich stoße heute auf Euch an. Denn ich danke Euch, dass ich meine Erfahrung mit Euch teilen darf. Danke! Danke, dass ihr da seid! Danke, dass ihr mitlest. Einfach nur danke!


Dienstag, 27. Mai 2014

Transformationstherapie: was dahinter steckt | Teil 1

Gefühle sind deine eigenen ,Babies‘ und es sind zum überwiegenden Teil die Gefühle des kleinen Mädchens oder Jungen in dir. Sie können nicht einfach aus deinem Körper verschwinden und kehren immer wieder zu dir zurück, bis du sie durch deine Annahme, Liebe und dein Fühlen verwandelst – in Freude.


– Robert Betz 



Transformationstherapie. Eine interessanter Begriff mögen die meisten denken und wissen vermutlich nichts damit anzufangen. Was dahinter steckt, möchte ich Euch in drei Teilen aufzeigen. Meine Erfahrung gepaart mit der einer Transformationstherapeutin. Doch erst einmal zur Theorie. Der Begriff Transformation steht für Veränderung. Eine Veränderung des Selbst. Der Diplompsychologe Robert Betz ist der Gründer der Transformationstherapie, die auf den sogenannten fünf Schritten der Verwandlung beruht.

Ich selbst habe bereits einige Abendseminare, ein Tagesseminar sowie die Transformationswoche mit Robert Betz besucht und bereits darüber berichtet. Damit auch ihr einen Einblick bekommt, was sich hinter der Transformationstherapie verbirgt und wie sie sich zu einer klassischen Psychotherapie unterscheidet und ergänzt, steht mir die Transformations-Therapeutin Kristina Kutz Rede und Antwort. Seit 2011 begleitet Kristina ihre Klienten in ihrer Praxis in Haan bei Düsseldorf auf ihrem Weg negative Gefühle in positive zu verwandeln und damit ein mit Freude erfülltes Leben zu gestalten. Und seit 2013 begleitet sie auch mich – wegen der Entfernung selten persönlich, dafür öfters telefonisch.


Kristina Kutz_HappyIch
 

Transformationtherapie : was dahinter steckt


Genau diese und viele weitere Fragen wird Kristina mir beantworten. Im ersten Teil des Interviews geht es um die Transformationstherapie im Allgemeinen. Was genau diese ausmacht und was einen als Klienten erwartet. Im zweiten Teil geht es dann bereits um die Umsetzung und wie auch diese Therapie bei einem Burnout helfen kann – der Grund warum auch ich irgendwann auf die Transformationstherapie aufmerksam geworden bin.
Den ersten Teil des Interviews lest ihr bereits heute, die anderen beiden Teile die nächsten beiden Dienstage. Denn Dienstage verbinden Kristina und mich besonders. 

 
Kristina, was ist die Transformationstherapie nach Robert Betz?

Die Transformations-Therapie ist eine alternative Kurzzeittherapie mit verschiedenen spirituellen Elementen, die Menschen auf ihrem Lebensweg Klärung und Entscheidungshilfen bietet. Sie ist eine neue Form der Therapie, die es ermöglicht, tief in uns verankerte negative Glaubenssätze zu erkennen und aufzulösen. Hierfür ist es entscheidend, dass der Klient bereit ist, die daraus resultierenden negativen Gefühle vorerst bewusst zu fühlen und als seine Schöpfung anzunehmen. Angst, Hass, Trauer, Wut etc. gehören ebenso zu unserem Leben wie Freude. Oftmals ist es jedoch so, dass wir seit unserer Kindheit gelernt haben, diese unangenehmen Emotionen zu verdrängen - auch um den Erwartungen unserer Eltern und Lehrer, später dann denen unserer Partner und Chefs entsprechen zu können.
Bei der Transformations-Therapie geht es darum, diese verdrängten Emotionen wieder wahrzunehmen und sie durch ein bewusstes Erleben nach und nach abzutragen. Mal ist dieser „Berg“ an Gefühlen bezüglich eines konkreten Themas fast mit einer Sitzung abgetragen, mal ist es sinnvoll, ganz sanft Schicht um Schicht zu lösen. Für viele Klienten scheint es erst einmal widersinnig, ihre lang verdrängten Gefühle in einer Sitzung bewusst zuzulassen. Doch wenn ich meinen Klienten verdeutliche, dass sie dieses Verdrängen wahrscheinlich schon seit Jahren enorm viel Energie kostet und sie es dennoch irgendwie latent spüren, wächst in den meisten dann doch der Wunsch, sich aus ihren alten Fesseln zu befreien.
Die Transformations-Therapie richtet sich an Menschen, die ihre Lebenssituation ganzheitlich besser verstehen möchten. Sie bietet sich an, wenn wir uns von unseren Gemütsreaktionen in unserem Leben eingeschränkt fühlen, unser Körper auf unsere seelische Verfassung reagiert oder wir auf irgendeine Art einen Verlust erlitten haben. Sie hilft uns, uns selbst mit all unseren Facetten anzunehmen, uns zu lieben und den Weg unseres Herzens zu gehen.


Wie unterscheidet sich die Transformations-Therapie von einer klassischen Psychotherapie?

Der Fokus liegt bei der Transformations-Therapie auf dem Fühlen (nicht in der Analyse) der unterdrückten Emotionen. Der Therapeut versteht sich eher als Moderator und auf gleicher Augenhöhe mit dem Klienten. Aus diesem Grund sitzt der Klient während einer Transformations-Sitzung auch immer dem Therapeuten gegenüber, um dieses „Gleichgestelltsein“ noch mehr zu verdeutlichen.


Was passiert während einer Sitzung? Was kommt da auf den Klienten zu?

Dieser Moment, wenn die Sitzung beginnt und ich meinen Klienten bitte, seine Augen zu schließen, ist jedes Mal heilig für mich. In dem Moment empfinde ich großen Respekt vor dem Vertrauen, das mir entgegen gebracht wird und vor dem Leben, das da vor mir sitzt.
Während einer Transformationssitzung führe ich meinen Klienten über eine Atem- und Entspannungstechnik in eine achtsame "Forscher"-Haltung gegenüber seinen Körperempfindungen und Emotionen. In einem geschützten Rahmen hat er die Möglichkeit, seine verdrängten Gefühle anzunehmen und den Ursprung hierfür zu entdecken. In diesem Moment kann es sein, dass alte Bilder aus der Kindheit oder aus vorherigen Leben auf tauchen.

 
Kurze Zwischenfrage: Du hast vorherige Leben erwähnt – was ist, wenn jemand nicht an vorherige Leben glaubt?

Für mich ist entscheidend, dass meine Klienten fühlen. Welche Art von Bildern während der Sitzung auftauchen, spielt für mich keine Rolle. Egal ob Bilder aus der Kindheit, einem Film, einem Traum oder eben aus einem vorherigen Leben auftauchen – wir nutzen die Bilder, die das Unterbewusstsein liefert, „nur“ als Transportmittel für die Emotionen und gehen danach nicht in die Recherche, ob es sich tatsächlich so zugetragen hat. Bezüglich der Bilder aus der Kindheit ist es für mich wichtig, meinem Klienten das Bewusstsein zu vermitteln, dass es die alten verdrängten Gefühle des inneren Kindes sind, die er in dem Moment als Erwachsener bejahend fühlen kann. Ich stelle oft fest: Wenn meinen Klienten bewusst wird, dass sie jetzt GROSS sind, dann wächst in ihnen immer mehr die Erkenntnis, dass sie diese unangenehme Emotion nun für das kleine Kind in sich für diesen kurzen Augenblick aushalten können. Dies eigenverantwortlich und selbstbestimmt zu entscheiden kann sehr befreiend sein, denn dann fühlen wir uns nicht mehr als Opfer unserer Emotionen. Wir können in diesem Augenblick die oft von Robert Betz angesprochene Schöpferverantwortung für unser Leben übernehmen.
Diese Schöpferverantwortung ist für mich ein zentrales Thema der Transformations-Therapie. Als ich mich das erste Mal damit auseinandersetzte, war ich erst einmal fast erleichtert. „Super“, dachte ich. „Ich bin weder Opfer, noch Täter, sondern immer nur Schöpfer gewesen. Ich trage also auch keine Schuld.“ Doch dann fing in meinem Bauch ein anderer Aspekt an zu pieksen – und was ist mit denen, die unfreiwillig in widrigste Lebensumstände hineingeboren werden? Haben sie sich ihr Elend selbst ausgesucht?
Ganz langsam, nachdem ich mit Schicksalen konfrontiert wurde, die jenseits meiner bisherigen Vorstellungskraft lagen, habe ich erkannt, dass die Opferrolle Menschen lähmt. Hilft es jemandem, wenn ich ihm sage, dass er eine „arme Sau“ oder ein Opfer ist? Für mich als Therapeutin ist es wichtig, den Lebensweg meiner Klienten und aller Menschen zu achten und zu ehren und sie darin zu bestärken, dass sie die Kraft in sich tragen, um etwas für sich zum Positiven zu verändern. Ich finde es wichtig, ruhig ganz klar zu sagen, wie „Sch…“ diese oder jene Erfahrung war, doch das, was wir aus der Situation lernen durften als eben solche zu verbuchen. Zu erkennen, dass wir an unserem Schicksal auch reifen und wachsen durften, kann ein außerordentliches Gefühl der Kraft und des Stolzes erzeugen. Diese Erfahrung wünsche ich jedem.
Wenn der Klient mehr über seine alten Glaubensmuster erfahren hat, kann er diese aktiv zurücknehmen und neue Entscheidungen für Ihr Leben treffen. Abgerundet wird die Sitzung mit „Lichtarbeit“, das heißt, ich lasse zuerst silbernes Licht zur Klärung und dann das violettes Licht der Transformation durch meinen Klienten fließen. Das ist also ein spirituelles Element der Transformations-Therapie. Es gehört für mich zu jeder Sitzung, doch ich überlasse es jedem selbst, sich darauf einzulassen. Von mir aus dürfen sich meine etwas rationaler denkenden Klienten vorstellen, dass sie gerade unter einem silbernen bzw. violetten Scheinwerfer sitzen.

 
Mehr dann nächste Woche. Bleibt dran!























Mittwoch, 19. Februar 2014

Die eigenen Grenzen wahren


Glück heißt seine Grenzen kennen und sie lieben.


- Romain Rolland



Zu viel. Zu viele Aufgaben stehen auf der Liste. Zu viele Menschen zerren an meinen Armen. Jeder möchte etwas von mir. Ich eingeschlossen. Jeder von uns hat seine ganz persönliche Leistungsgrenze. Und wir haben sie alle schon an unseren Fußknöcheln gespürt, wenn sie erreicht zu sein schien. Ich stelle mir meine immer wie einen roten Haushaltsgummi vor. So ein ganz dünner. Er ist in einigen Metern Abstand um mich herum gespannt. Er ist nicht perfekt und umfasst mich nicht in einem exakten Kreis sondern relativ unförmig. In manchen Lebensbereichen stoße ich schneller an seine Grenzen. Dann berühren meine Fußknöchel die gespannte Gummischnur, die mich am Weitergehen hindert. Nun weiß ich, dass ich meine Grenzen noch immer ein bisschen überspannen kann, denn starr sind meine Grenzen nicht, man kann durchaus mit ihnen spielen. Aber Achtung! Auch so ein Haushaltsgummi ist nicht reißfest. Bei zu viel Dehnung reißt er, schnalzt uns entgegen und kann uns verletzen. So ist es auch mit den eigenen Grenzen. Ich kann mit ihnen spielen und ein bisschen übertreten, aber wenn ich zu stark dem Gegendruck entgegenwirke, dann reißt alles. Ich weiß das ganz genau, denn hinter meinen Grenzen ist Sperrgebiet. Und in diesem Sperrgebiet ist alles grau, nebelig, kalt und ungemütlich. Und dort wohnen unschöne graue Gestalten. Sie sind allerdings extrem gastfreundlich und freuen sich, wenn man in deren Land einreist. Diesen Einreisestempel trage ich bereits in meinem Seelenpass und habe keinerlei Bedürfnis einen weiteren zu sammeln.


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Nicht umsonst trägt dieser Post den Titel “die eigenen Grenzen wahren”. Denn gerade wenn man in einer Ausnahmephase fast täglich die Leistungsgrenze überspannt, gilt es auch täglich wieder einen Schritt zurück zu machen um die Spannung rauszunehmen. Sonst geht diese Rechnung nicht auf und es knallt sprichwörtlich. Und so erlaube ich mir selbst regelmäßig den Schritt zurück um meine eigenen Grenzen zu wahren. Zum Beispiel mit einem Kinobesuch. Am Sonntag. Vormittags. Mit Frühstück. Und der besten Freundin. Da tanke ich auf um für den nächsten Tag und die kommende Woche wieder Energie verfügbar zu haben und noch einmal richtig durchzustarten bevor eines meiner Großprojekte im Job seinen vorläufigen Abschluss findet.



Donnerstag, 9. Januar 2014

Wenn Musik wieder gut tut


Wer Vertrauen hat, erlebt jeden Tag ein Wunder.


– Epikur von Samos



Motor an. Radio an. Los geht’s. So düse ich am liebsten durch die Straßen Deutschlands: mit  lautstarker Musik. Bei den guten, mitreißenden Liedern wippe ich auf meinem Sitz mit, trommel auf mein Lenkrad und singe lautstark mit. Sicherlich zum Grauen des ein oder anderen Juroren einer Musik-Castingshow. Aber da will ich auch gar nicht hin. Hauptsache die Musik tut mir gut.

Wo ich jedoch vor ein paar Jahren unbedingt wieder hin wollte, war genau an diesen Punkt all das oben Beschriebene wieder spüren zu dürfen. Den Rhythmus, die Lust an der Musik und die Freude die Liedtexte mitsingen zu können. Das war alles weg. Auf einmal. Ich hasste nicht nur Sonntage, habe nicht nur einsehen müssen, dass die Freude auf einmal weg war, sondern dass mir auch die Musik fremd geworden ist. Ich saß im Auto, fuhr von A nach B und was auch immer da im Radio lief, berührte mich einfach nicht mehr. Selbst nicht die mitreißendsten Lieder, die mich immer zum Mitwippen brachten. Kein Lenkradtrommeln, keine Refrains die auf einmal in meine Kopf waren. Nichts. Wieder etwas, das ich scheinbar von heute auf morgen verloren hatte. Ich quälte mich durch einige weitere Lieder in der Hoffnung, dass das nächste Lied eins ist, das mich packt. Vergebens. Daher hielt ich es wie Peter Lustig damals am Ende der Sendung Löwenzahn: abschalten.


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Nicht, dass ihr jetzt denkt, ich wäre ein besonders musischer Mensch. Ich war nie im Chor (doch okay, 5. Klasse, aber das zählt nicht. Da war ich nur weil meine beste Freundin da auch war, denn ich kann  nicht singen!), spiele kein Instrument und bin daher nicht besonders musikalisch. Aber ich liebe pfiffige Musik. Ich liebe es, wenn ich beim Hören feststelle, dass ich die Liedtexte mitsingen kann (die ich nie auswendig lerne, die sind entweder da, weil man einen Song schon zigmal gehört hat oder eben nicht). Und dann kann mich nichts mehr aufhalten. Lautstärke aufdrehen, mittanzen und mitsingen oder –grölen. Ich bin dann doch eher der Tänzer als der Musiker, aber der braucht eben auch Musik als Grundlage. Sprich: ich bin der Otto Normalmusikhörer. So würde ich das zumindest einschätzen. Daher bin ich vermutlich wie Du. Was Musik angeht. Ich mag viele unterschiedliche Musikrichtungen und wippe bei Motown genauso mit wie bei Rihanna, bei Purple Schulz wie auch bei Abba. Hauptsache es berührt mich, wie eben auch "Roar” von Katy Perry.

Bis es auf einmal weg war. Ich saß vor dem Radio im Auto und hätte heulen können (hab ich auch). Denn mal wieder musste ich feststellen, dass mir der Mensch so fremd geworden ist. Dieser Mensch war ich. Zumindest steckte ich darin fest. In einer scheinbaren Hülle, die vom Emotionsnetz abgeschaltet wurde. Der Stecker war raus. Ich bekam keinen Saft mehr. Man kann sich kaum vorstellen wie unsagbar traurig das macht, wenn auf einmal ein alt bekanntes Gefühl, eine Freude, die man seit der Kindheit in sich trägt, weg ist. Ausgeknipst. Noch ein Schalter, der auf AUS gestellt wurde. Wer bitte spielt da an meinem emotionalen Stromnetz? Sofort aufhören. SOFORT. Ich konnte jedoch keinen Schuldigen ausmachen. Wie auch. Wenn man vom Stromnetz abgekoppelt wird, fehlen einem nicht nur sämtliche Emotionen, sondern vor allem auch Kraft. Die Kraft sich dagegen zu wehren oder die Kraft es rückgängig zu machen. Und sind wir doch mal ehrlich, an diesem Punkt gibt es auch nichts mehr rückgängig zu machen. Und schon gar nicht auf die Schnelle. Wie sehr habe ich mir gewünscht irgendwo den Schalter wieder anmachen zu können. Nur wo soll der bitte sein? Wie kriegt man sich selbst ganz  schnell wieder hin? Tja, dieses Rezept muss erst noch kreiert werden. Fakt ist: es geht nicht. Es gibt kein emotionales Pflaster. Und auch keine Spritze, die alles wieder gut macht. Nein, an diesem Punkt gibt es nur noch eines: den Schrei nach Hilfe. Wobei mir auch dazu die Stimme fehlte. Denn ich hatte ja keine Ahnung was da gerade mit mir geschieht. Daher schien mir die beste Lösung all das einfach zu ignorieren. Das Radio jedes Mal wieder auszumachen, wenn noch immer nicht das richtige Lied gespielt wurde. Doch es lag nicht am DJ im Studio, es lag an mir. Doch das konnte ich am Anfang gar nicht sehen. Bis zur Diagnose: Burnout.


P.S.: Mittlerweile tut mir Musik wieder gut. Richtig gut. Ich wippe auch wieder auf meinem Autositz. Denn das Netzwerk läuft wieder. Und ich bin diejenige, die bildlich gesprochen strampelnd im Keller auf dem Fahrrad sitzt und Strom erzeugt. Denn ich funktioniere nicht mehr, ich kümmere mich um mich und gehe achtsam mit mir um. Anders als damals.

Montag, 9. Dezember 2013

Wenn die Freude auf einmal weg ist


Hoffnung ist der Regenbogen über dem herabstürzenden Bach des Lebens.


– Friedrich Nietzsche


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“Guten Morgen Herr Werner” kommt es über meine Lippen, während ich im Foyer unserem Vorstandsvorsitzenden begegne. Freundlich, mit einem Lächeln auf den Lippen grüße ich, wie seit Jahren, Kollegen und Vorgesetzte. Ich bin auf dem Weg zum Kaffeeautomat, wo sich morgens die Kollegen tummeln um ihre erste Tasse “Energie” rauszulassen. Ich stelle die weiße Porzellantasse unter die Ausgussöffnung und drücke auf “heiße Schokolade”. Das war immer meine Tasse Kaffee, da ich den dunklen Wachmacher nicht gut vertrage. Rechts und links folgt morgendlicher Smalltalk. Meine Kollegen erhalten wie immer ein strahlendes Lächeln von mir. Das ist einfach so drin. Mache ich doch schon immer so. Seit vielen Jahren. Kaum bin ich auf dem Weg zurück zum Schreibtisch und alleine im Flur unterwegs verfliegt sofort die Mimik in meinem Gesicht. Denn wenn mich keiner sieht, kann ich das Lächeln loslassen. Ich fühle wie das Lächeln regelrecht aus meinem Gesicht fällt. Plopp. Ich weiß nicht wo es aufschlägt, aber es hat mich definitiv verlassen. Ein paar kleine Momente, vielleicht nur Sekunden, habe ich bevor ich die Glastüre zu unserem Büro erreiche. Ich öffne sie und da ist es wieder: das Lächeln! “Guten Morgen Mädels” sage ich freudestrahlend. Wir reden kurz über Dies und Das bevor sich jede hinter ihren Monitor verzieht. Und auch da plumpst das Lächeln wieder aus meinem Gesicht. Gut ist nur, dass ich mittlerweile schon weiß, dass ich es jederzeit wieder anknipsen kann. Wie das Licht am Lichtschalter. So langsam dämmert mir, dass ich eine Maske trage. Und eine Rolle spiele. Verdammt gut anscheinend, denn jeder ist zu mir wie immer und viele loben meine “Sonnenschein-Mentalität”. Aha. So langsam wird mir klar, dass hier irgendwas nicht stimmen kann. Denn dieser Sonnenschein, dieses Licht in mir, scheint schon länger nicht mehr. Denn ich spüre die Freundlichkeit, die ich nach außen ausstrahle, in mir nicht mehr. Da ist es leer und dunkel. Und freudlos.

Natürlich denke ich darüber NICHT weiter nach. Dafür habe ich gar keine Zeit. Wenn ich meinen Posteingang öffne, kriege ich bei der dreistelligen Zahl von neuen Nachrichten schon Schnappatmung. Zudem wird der Stapel von Projektaufträgen neben meiner Tastatur auch nicht weniger. Ich merke wie mir von hinten etwas im Nacken sitzt. Es ist schwer und scharfkantig zugleich. Wenn ich mich umdrehe, kann ich nichts sehen. Wenn ich meinen Nacken massiere, in der Hoffnung, dass es nur eine Verspannung ist, kann ich es nicht erspüren. Denn es ist faktisch nicht da. Oder doch? Es ist der Druck, der mir im Nacken sitzt und mit seiner Präsenz droht. Gepaart mit meinen eigenen hohen Erwartungen des Perfektseins. Top-Leistung im Beruf abzugeben ist meine Passion. Denn nur so kommt man zu was. Hat mir mein Vater immer gesagt. Zudem bin ich ins Nachwuchs-Führungskräfteprogramm berufen wurden. Die Karriereleiter steht da. Vor mir. Für mich. Nicht mehr lange und ich klettere auf die nächste Stufe. Daher steht es nicht zu der Debatte nicht perfekt zu sein. Und zwar nicht nur auf dem Papier und bei der Ausführung meiner Aufgaben sondern auch beim Umgang mit Kollegen und Vorgesetzten.

Ich sitze an meinem Schreibtisch und die Gedanken winden sich wie eine Achterbahn durch meinen Kopf. Ist das jetzt normal? Bin ich krank? Was mache ich falsch? Warum ist mir das irgendwie alles zu viel? Es läuft doch super. Ich kann doch dankbar sein. Sei jetzt sofort dankbar! Das kann ja wohl nicht angehen. Schluss jetzt. Die E-Mails müssen beantwortet antwortet werden, der Flyer Korrektur gelesen werden, das Meeting vorbereitet werden, etc. Ich habe jetzt keine Zeit für komische Gedanken. Weiter jetzt. Los.

Monatelang funktioniere ich so wie oben beschrieben. Die Arbeit wird immer mehr und meine Lust auf soziale Aktivitäten nimmt weiter ab. Ich habe weder Lust mich mit irgendjemanden zu treffen noch Menschen außerhalb der Firma zu sehen. Denn das kann ich kontrollieren. Außerhalb bin ich der Boss und entscheide wen ich wo treffe und ob überhaupt. Lange schon verlasse ich meinen Arbeitsplatz nicht mehr nach 10 Stunden getaner Arbeit. Wie auch. Die ToDo-Liste wird trotz abgearbeiteter Themen nicht weniger. Sobald etwas erledigt ist, kommen zwei neue Themen dazu, die mir und meiner Person zugeordnet werden. Ich habe das Gefühl überhaupt keine Oberhand mehr gewinnen zu können. Ich fühle mich wie wenn ich den Zug verpasst hätte und alle Mühe habe neben dem ICE herzurennen in der Hoffnung auf der Höhe einer Türe anzukommen, um auf den Zug aufspringen zu können. Parallel merke ich auch, dass die Fehlerquote zunimmt. Daher kontrolliere ich alles doppelt und dreifach um diese auch gleich wieder zu minimieren. Zwischendurch sitze ich in Meetings. Mit meiner Maske. Sie ist zu einem treuen Begleiter geworden, auf die ich mich zu hundert Prozent verlassen kann. Zum Glück. Wenigstens etwas läuft. Von Montag bis Freitag lebe ich mit meiner Maske und meiner nie enden wollenden ToDo-Liste in der Firma. Abends bin ich völlig ausgelaugt. Sobald ich nach Hause komme, schaffe ich es nur noch auf die Couch. Nicht in die Waschküche. Nicht an den Herd. Die Essenszubereitung und -zufuhr muss schnell gehen. Egal wie. Ob ein fertiger Salat oder ein Cheeseburger, es ist alles dabei. Meist sitze ich teilnahmslos vor dem zwanziguhrfünfzehn Film. Und nie sehe ich die 21-Uhr-Anzeige auf meiner Uhr. Völlig erschöpft schlafe ich auf dem Sofa ein und bewege mich wenige Stunden später schlaftrunken ins Bett. Abschminken ist überbewertet, immerhin ziehe ich den Schlafanzug noch an. Das ist doch schon ein großer Erfolg.

Freitag. Shit. Nach vier Arbeitstagen ist das der Tag, den ich am wenigsten mag. Innerhalb der Arbeitswoche zumindest. Denn er bedeutet soziale Verantwortung neben dem Job. Freitags kauft man fürs Wochenende ein oder verabredet sich mit Freunden. Schon lange habe ich gute Ausreden warum ich am Wochenende keine Zeit habe. Ab und an lasse ich mich breitschlagen und verabrede mich doch zum Essen. Damit schlage ich zwei Fliegen mit einer Klappe. Ich bekomme ein Essen, das mir zubereitet wird und ich pflege Freundschaften. Viel zu wenig zwar, aber immerhin. Was ich nur feststellen muss ist, dass meine Maske am Wochenende ziemlich ausgeleiert daher kommt. Die Woche über muss ich sie zu stark beansprucht haben, dass sie nicht so recht sitzen will. Damit das bloß keiner merkt, gehe ich noch weniger unter Leute. Ich gehe ganz früh oder ganz spät einkaufen, damit ich keinem begegne, der mich etwas fragen könnte. Denn die  Smalltalk-Frage “wie geht’s Dir?” kann ich schon lange nicht mehr authentisch beantworten. Denn mir geht es mies. Es läuft alles nicht mehr rund und mir wird es immer bewusster. Aber bloß nicht darüber nachdenken. Samstags funktioniere ich dann mal besser und mal schlechter. Aber ich befinde mich nur in meinen eigenen vier Wänden. Und meist liege ich auf dem Sofa. Denn ich bin krank. Zumindest fühle ich mich so. Irgendwelche Schmerzen haften sich samstags immer an mich. Kopfschmerz. Rückenschmerz. Bauchschmerz. Übelkeit. Und diese verdammte Müdigkeit. Ständig schlafe ich ein und verschlafe den Tag. Wenn ich mal wieder streberhafte Ambitionen hege, gehe ich spazieren oder quäle mich zum joggen. Von nichts kommt ja schließlich nichts.

Mein Freund am Wochenende ist der Fernseher. Mein Feind der Sonntag. Warum? Das lest ihr im Sonntagshasser. Vor mir laufen farbige Bilder ab, doch mitbekommen tue ich nicht viel. Ich wähle bewusst Filme aus, die mir eigentlich gefallen. Aber ich fange an nichts mehr zu empfinden. Ich wechsle auf die DVDs meiner Lieblingsserie. Ich kann nicht einmal lachen. An keiner einzigen Stelle, an der ich sonst IMMER lache. Da ich die Folgen hoch und runter kenne, weiß ich genau was ich normalerweise lustig finde. Gut, vielleicht passt es einfach nicht. Also schaue ich mir die lustigsten Pannenfilmchen auf YouTube an. Das funktioniert doch immer. Nur ich funktioniere nicht mehr. So langsam steigt in mir Panik auf. Denn mir wird bewusst, dass ich etwas wichtiges verloren habe. Die Freude. Sie ist weg. Und meine Maske kann sie mir auch nicht wieder bringen. Ich verdränge diese Einsicht mit einer Runde Schlaf. Das funktioniert prima. Bis zum nächsten Mal wenn ich merke, dass mir die Freude abhanden gekommen ist. Denn wenn man sie nicht mehr spürt, denkt man sie hätte einen verlassen. Für immer.


P.S.: Wenn Du Dich genauso fühlst, dann kann ich Dir Mut machen. Denn sie ist nicht für immer weg. Sie kann wieder kommen. Wenn man sich darum kümmert wie um ein kleines vertrocknetes Pflänzchen. Dazu schreibe ich bald mehr.


Dienstag, 15. Oktober 2013

Berührung von Herz zu Herz


Am Ende wird alles gut. Wenn es nicht gut wird, ist es noch nicht das Ende.


– Oscar Wilde


Mein Beitrag vom Sonntag hat nicht nur Euch berührt, sondern auch mich. Viele von Euch haben mir geschrieben, dass ihr beim Lesen Tränen in den Augen hattet. Denn ihr habt nicht nur mich gesehen, sondern vor allem Euch selbst. Und auch ich hatte Tränen in den Augen, als ich Eure Nachrichten und Kommentare gelesen habe. Denn so wie ich Euch berührt habe, habt ihr mich mit Euren Worten berührt. Und ihr habt mir den Mut gegeben noch tiefer in den Spiegel meiner Vergangenheit zu blicken.

Ich möchte jeden einzelnen von Euch am liebsten in den Arm nehmen. Denn ihr seid mit diesem Schmerz und mit dem zuschnürenden Gefühl im Brustkorb nicht allein. Und wir sind auch nicht zu zweit, nein, da sind ganz viele von uns da draußen, bei denen es manchmal einfach zu viel ist.

Oft ist es nur eine Phase, ein absehbarer Zeitpunkt, zu der man einfach mehr Gas geben muss als sonst. Einfach weil mehr anfällt, weil es ein besonderes Ereignis gibt oder eine feste Deadline. Das kennen wir alle. In der Zeit bleibt uns auch öfters die Luft weg, aber wir sind nicht in der Abwärtsschraube gefangen. Wir leben zwar am energetischen Limit, sehen aber dennoch das Licht am Ende des Tunnels. Wir wissen: alles wird gut.


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Der andere Fall ist, wenn aus der einen Phase, noch eine wird und noch eine ohne Verschnaufpausen dazwischen zu haben. Wenn man nur noch von einem ins andere schlittert. Wenn man keine Kontrolle mehr hat und einfach nicht “nein” sagen kann. Wenn man nur noch in diesem allseits bekannten Hamsterrad läuft und nicht den Mut hat auszusteigen. Warum uns da oft der Mut fehlt? Ganz einfach. Weil wir nicht wissen was dann kommt. Wir haben keine Ahnung was passiert, wenn wir “Stop” sagen und es auch meinen. Wir wissen nicht welche Folgen es für uns haben könnte. Und die meisten von uns sind gedanklich darauf programmiert anzunehmen, dass die Folgen eher negativer Natur sind. Dass uns etwas besseres erwarten könnte, das wagen wir nicht in Betracht zu ziehen. Dabei ist die Chance so viel größer. Denn es ist eine Chance für uns. Eine Chance zur Veränderung. Denn ich weiß: alles wird gut.

Egal wo Du gerade bist und wie aussichtslos Dein Situation in Deinen Augen auch zu sein scheint. Alles wird gut. Das weiß ich ganz sicher. Es gab rappelschwarze Tage in meiner Vergangenheit und ich hatte Angst, dass ich für immer traurig bleiben müsste. Dass ich nie mehr Lachen könnte. Zumindest nicht von Herzen. Oder dass ich nie mehr schöne Sonntage erleben dürfte. Zu dem Zeitpunkt habe ich kein Licht am Ende des Tunnels gesehen. Aber ich kann Euch aus meiner eigenen Erfahrung sagen: alles wird gut. Ich erlebe schöne Sonntage, lache wieder von Herzen so wie auch früher und Traurigkeit füllt nicht mehr meinen Alltag.

Daher möchte ich Dir heute einfach nur sagen: alles wird gut! Du wirst Deinen Weg finden so wie ich meinen gefunden habe. Du wirst Deine Erfahrungen so machen, wie sie für Dich vorgesehen sind. Du wirst die Menschen treffen, die Dich ansprechen und Dir helfen können. Dir werden die Worte begegnen, die Du hören kannst. Das einzige was Du brauchst ist der Mut an Dich selbst zu glauben. Und daran, dass alles gut wird. Denn das wird es. Auf jeden Fall. Zu Deiner Zeit.

P.S.: Wer den Post zum "Sonntagshasser" verpasst hat, findet ihn hier.

Sonntag, 13. Oktober 2013

Der Sonntagshasser


Oft trifft man sein Schicksal auf Wegen, die man eingeschlagen hatte, um ihm zu entgehen.


– Jean de La Fontaine


Der Sonntagshasser. Die Sonntagshasserin wäre der bessere Begriff. Ich gebe zu, das ist ein hartes Wort, aber es spiegelt meine langjährige Liebe zu Sonntagen wieder. Sonntage waren für mich lange furchtbar. Wieder ein hartes Wort, aber wieder gerechtfertigt. Für die meisten Menschen ist der Sonntag der schönste Tag der Woche. Denn in unseren Breitengraden ermöglicht uns der Sonntag einen Ruhetag einzuschieben. Wenn unsere Stadt, oder eine in der Umgebung, nicht gerade einen verkaufsoffenen Tag hat, dann ist an einem Sonntag alles geschlossen. Wir sind fast schon dazu angehalten nichts zu tun. Keine Erledigungen, die eine Fahrt in die Stadt rechtfertigen, auf diesen Wochentag zu schieben. Nein, der Tag ist für jeden (okay, fast jeden, denn natürlich gibt es Berufe mit Wochenenddienst) zur freien Verfügung. Und genau das war mein Problem. Denn über meinem Sonntag hing lange Zeit nur ein einziger Fluch: Sonntag ist der Tag vor Montag. Der Tag bevor das Chaos von vorne losgeht. Der Tag bevor mich fünf Tage lang alles überrollt. Der Tag vor dem Beginn einer Woche, in der alles passieren kann. Der Tag vor fünf Arbeitstagen voll Arbeit, die möglicherweise nicht mit den vertraglich vereinbarten 40 Stunden zu machen ist. Und auch nicht mit 42 Stunden. Sondern mit vielen, vielen mehr. Je nachdem was denn in der kommenden Woche so alles unverhofft aufschlagen mag. Sonntags war der mieseste Tag der Woche. Der Tag, an dem ich hätte machen können was ich wollte, war immer der Tag an dem ich nichts machen konnte. Weil ich Bauchkrämpfe oder Kopfschmerzen hatte. Denn auf Sonntag folgen fünf Tage Hölle. Und wir beziehen mal die Wochenend-Laptop-Schichten nicht in die Rechnung mit ein. Sonntags ging es mir immer mies. Körperlich. Und stimmungstechnisch auch, denn die war im Keller. Oder eher noch tiefer als kellertief. Um mich herum freuten sich alle auf diesen wunderbar freien Tag. Ich auch. Denn ich dachte immer “dieser Sonntag wird anders”. Irgendwann musste doch schließlich auch bei mir die Freude einsetzen. An irgendeinem Sonntag wird es mir doch gut gehen und meine Stimmung top sein. Dieser Sonntag kam aber nicht. Wochenlang nicht. Monatelang nicht. Vermutlich jahrelang nicht. Zumindest ein paar Jahre lang nicht. Die Jahre, in denen ich in meiner eigenen Überholspur lebte. Mich selbst fordernd, mich selbst überholend. Was gestern schon schnell von der Hand ging, kann morgen noch schneller gehen. Wenn ich dies kann, dann kann ich das auch und vor allem noch besser. Ich war mein eigener Antrieb, mein eigener Drillinstructor, der mir immer mehr abverlangte. Der immer noch mehr wollte. Noch schneller. Noch höher.


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Und sonntags ging nichts mehr. Mein Tank war leergefahren und mein Motor stotterte. Sonntags lag ich nur rum. Aber ohne Genuss. Ich lag da, weil nichts mehr ging. Ich guckte mir irgendeinen Film an, ohne ihn mitzubekommen. Der Sonntag kam und ging und ich war irgendwo zwischendrin. Gefangen in 24 Stunden Sonntag. Und kurz bevor ich total geschwächt vom Nichtstunkönnen am Sonntag Abend ins Bett ging, fühlte ich mich noch mieser. Denn ich hatte nichts geschafft. Keine Wäsche gewaschen. Nicht aufgeräumt. Nicht vorgekocht. Nichts. Ich war zu nichts fähig. Und das konnte ich mir nicht genehmigen, denn es gibt immer viel zu tun. Ich verurteilte mich auch noch dafür zu nichts fähig zu sein und nichts zustande gebracht zu haben. An diesem Sonntag und an jedem anderen. Und so fing ich an Sonntage zu hassen. Denn sie gaben mir nichts und nahmen mir so unendlich viel. Sie nahmen mir die Freude am Nichtstun. Sie nahmen mir die Möglichkeit der Entspannung. Sie nahmen mir den Antrieb. Sie nahmen mir den Genuss an Ruhe. Sie nahmen mir jede positive Emotion.

Was ich damals nicht sehen konnte aber heute weiß: sie waren eine neue Windung. Mit jedem antriebslosen, mich selbst verachtenden, kränkelnden und unzufriedenen Sonntag rutsche ich eine Stufe tiefer in meinem eigenen Trichter. Unaufhörlich nahm ich eine Runde nach der anderen:- nach unten. Immer näher Richtung schwarzes Loch. Und an einem gewissen Punkt immer schneller. Ich hatte keine Ahnung in welcher Talabfahrt ich mich befand. Das tiefe schwarze Loch, auf dessen Boden ich schmerzhaft knallte, hatte später nur noch einen Namen: Burnout.

Ich hatte damals keine Ahnung was diese Sonntage an Bedeutung hatten. Aber ich kenne immer mehr Menschen, die genau diese Sonntage erleben. Und die sich ebenfalls als Sonntagshasser outen. Hätte ich damals verstanden was das alles bedeutet, hätte ich vielleicht die Notbremse ziehen können. Aber ich wusste viel zu wenig über diese Erschöpfungsdepression und vor allem kannte ich niemanden, mit dem ich mich hätte austauschen können. Natürlich habe ich mit meinem engsten Vertrautenkreis über diese hässlichen Sonntage gesprochen. Aber keiner konnte damals einschätzen in welches Loch ich gerade hinabschlitterte. Denn keiner hatte damit Erfahrung. Jeder gab mir nur den gut gemeinten Ratschlag “Du musst einfach mal abschalten und entspannen”. Ein Ratschlag, den mein Verstand nicht mehr verstand. Der Ratschlag hätte auch “Xingtungan rabantin norisonti” heißen können. Das verstehe ich nämlich auch nicht. Es war eine Sprache, eine Wortwahl, die ich nicht mehr verstehen konnte. Ich wusste gar nicht wie man das macht. Denn es funktionierte für mich nicht.

Heute bin ich der festen Überzeugung, dass ich damals nicht aufzuhalten war. Ich war zu sehr in meiner Welt der hohen Erwartungen, des Erfolgdrucks und des Perfektionismus gefangen. Zu sehr war ich in einer Welt eingesperrt aus der ich kein Entrinnen sehen konnte. Ich wusste gar nicht wo ich hätte ansetzen können. Mir fehlte da ein ganzes Stück Sichtweise. Welche das war, beschreibt diese Geschichte:

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Es waren einmal fünf weise Gelehrte. Sie alle waren blind. Diese Gelehrten wurden von ihrem König auf eine Reise geschickt und sollten herausfinden, was ein Elefant ist. Und so machten sich die Blinden auf die Reise nach Indien. Dort wurden sie von Helfern zu einem Elefanten geführt. Die fünf Gelehrten standen nun um das Tier herum und versuchten, sich durch Ertasten ein Bild von dem Elefanten zu machen.

Als sie zurück zu ihrem König kamen, sollten sie ihm nun über den Elefanten berichten. Der erste Weise hatte am Kopf des Tieres gestanden und den Rüssel des Elefanten betastet. Er sprach: "Ein Elefant ist wie ein langer Arm."

Der zweite Gelehrte hatte das Ohr des Elefanten ertastet und sprach: "Nein, ein Elefant ist vielmehr wie ein großer Fächer."

Der dritte Gelehrte sprach: "Aber nein, ein Elefant ist wie eine dicke Säule." Er hatte ein Bein des Elefanten berührt.

Der vierte Weise sagte: "Also ich finde, ein Elefant ist wie eine kleine Strippe mit ein paar Haaren am Ende", denn er hatte nur den Schwanz des Elefanten ertastet.

Und der fünfte Weise berichtete seinem König: " Also ich sage, ein Elefant ist wie ein riesige Masse, mit Rundungen und ein paar Borsten darauf." Dieser Gelehrte hatte den Rumpf des Tieres berührt.
Nach diesen widersprüchlichen Äußerungen fürchteten die Gelehrten den Zorn des Königs, konnten sie sich doch nicht darauf einigen, was ein Elefant wirklich ist. Doch der König lächelte weise: "Ich danke Euch, denn ich weiß nun, was ein Elefant ist: Ein Elefant ist ein Tier mit einem Rüssel, der wie ein langer Arm ist, mit Ohren, die wie Fächer sind, mit Beinen, die wie starke Säulen sind, mit einem Schwanz, der einer kleinen Strippe mit ein paar Haaren daran gleicht und mit einem Rumpf, der wie eine große Masse mit Rundungen und ein paar Borsten ist."

Die Gelehrten senkten beschämt ihren Kopf, nachdem sie erkannten, dass jeder von ihnen nur einen Teil des Elefanten ertastet hatte und sie sich zu schnell damit zufriedengegeben hatten.
[Verfasser unbekannt] {Quelle: http://www.thur.de/philo/hegel/elefant.htm}
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Ich stand einfach zu nah vor meinem Berg von Themen und konnte das große Ganze nicht mehr erblicken. Ich hatte den Überblick verloren und den Blick für das wirkliche Wesentliche im Leben. Meine eigenen Wünsche und mein eigenes Glück und nicht das der anderen und deren Erwartungen.

Heute weiß ich wieder worauf es ankommt und welche eigenen Erwartungen wirklich meine sind und welche ich oft angenommen habe, die im Kern gar nicht zu mir gehören. Und was das Schönste ist: ich freue mich auf heute! Denn heute ist Sonntag. Und diesen Tag mag ich. Denn er ist endlich wieder das, was er sein sollte.